Blechdosenmuseum - Norbert Kubis

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Die Geschichte

Viele Erfindungen stammen aus Frankreich: Nicht, weil in Frankreich besonders gut gegessen wird, sondern weil seit der „levée en masse“ nach der Französischen Revolution zum ersten Mal gigantische Heere, Hunderttausende von Bürgersoldaten, mit Nahrungsmitteln versorgt werden mussten. Im Europa der Neuzeit hatte man noch nie so große Armeen gesehen wie unter Napoleon:
Auf dem Russlandfeldzug mussten über eine Million Mann verpflegt werden. Natürlich plünderten die französischen Soldaten die Gegenden, durch die sie zogen, so wie es seit Urzeiten Kriegsbrauch ist; aber derart riesige Heere ließen sich allein durch Plündern nicht mehr versorgen.  Der Münsteraner Kulturwissenschaftler Professor Hans Jürgen Teuteberg:  „Früher wurde das Schlachtvieh gleichsam hinter der marschierenden Truppe her geführt. Das waren die Marketender, die wir alle kennen.  Das sind Kriegsunternehmer, wenn Sie so wollen, die den Truppen etwas verkaufen.“ Mit den Napoleonischen Kriegen wurde die Verpflegung der Soldaten sozusagen verstaatlicht. Der französische Kaiser brauchte dringend eine Methode, Lebensmittel zu konservieren. Die übliche Form der Forschungsförderung war damals ein Preisausschreiben, berichtet Hans-Georg Böcher, er ist Direktor des Deutschen Verpackungs-museums in Heidelberg.  „Napoleon schreibt aufgrund seiner militärstrategischen Überlegungen einen Preis aus von 12.000 Goldfranken und möchte gerne etwas haben. Er postuliert sozusagen aus einer militärstrategischen Sicht, dass er verfügen will über eine Methode zur Lebensmittelaufspeicherung. Wie diese Methode gefunden wird, ist ihm gleichgültig. Er beschreibt nur das Ergebnis: "Lebensmittelaufspeicherung.“ Die Konservendose gab es bereits, wenn auch noch nicht für Lebensmittel: In Dosen aus Weißblech wurde in England Tabak aufbewahrt.  Weißblech ist eine Legierung von Eisen mit Zinn: Zinn verhindert, dass Eisen rostet, und Weißblech hatte sich als geeignet erwiesen, den feuchten Tabak zu konservieren. In Italien hatte der Biologe Lazzaro Spallanzani bereits 1765 vorgeschlagen, Lebensmittel in luftdicht abgeschlossenen Behältern zu konservieren. Und in Frankreich begann ab 1804 der Zuckerbäcker Nicolas-François Appert Fleischbrühe, Rindfleisch, Bohnen und Erbsen mit Hilfe von Hitze in Glasflaschen zu konservieren.

Nicolas Appert (1749-1841)


Und der Erfinder ist Nicolas-François Appert, ein französischer Koch, der die englische Erfindung der Tabakdose oder der Früh-Konservendose kannte und der das auf den Lebensmittelbereich überträgt und mit einer weiteren Innovation verbindet, nämlich mit der Hitzesterilisation. Appert kocht Lebensmittel ab in der Dose, das heißt: Er traut sich, verderbliche Lebensmittel einzulöten, weil er weiß, das er durch das nachfolgende Abkochen eine höhere Haltbarkeit hat.“ 1810 veröffentlichte Appert seine Methode „von der Kunst tierische und pflanzliche Substanzen mehrere Jahre lang zu konservieren“. 

Aber auch einer von Napoleons Kriegsgegnern, die Royal Navy, verpflegte bereits Matrosen aus Konserven. Während die Erfindung der Konservendose also in der Luft gelegen zu haben scheint, lässt der Dosenöffner noch ein halbes Jahrhundert auf sich warten.  „Es gibt ja spöttische Stimmen, die sagen, die französischen Soldaten hatten die Bajonette auf ihren Gewehren nicht, um im Nahkampf gut dazustehen, sondern um die furchtbar schwer aufzubekommenden Konservendosen zu öffnen.“
Eine Büchse mit Kalbfleisch, die der britische Polarforscher Sir William Parry 1824 mit in die Arktis nahm, trug sogar die Aufschrift: „Mit Hammer und Meißel rund um den Deckel öffnen.“ Die ursprünglichen Konservendosen waren jedoch eigentlich zum Wiederverwenden gedacht. Im Deutschen Verpackungsmuseum in Heidelberg wird eine dieser urtümlichen Blechschachteln ausgestellt, auf die ein Blechdeckel mit dem umgefalteten Falz aufgelötet ist. Darauf steht ein Bügeleisen.  „Technologisch konzipiert wäre es für ein Bügeleisen gewesen.
Also man konnte die auflöten. Das waren Lötverbindungen, die sich mit Hitze, mit einem Bügeleisen hätten aufmachen lassen. Aber natürlich, wenn man sich die Situation an der Front vorstellt und auch die Gegebenheiten in den entsprechenden Militärlagern: So viele Hemden haben die Soldaten nicht gebügelt auf dem Weg in ihren Feldzügen.  Die haben dann mit roher Gewalt versucht, den Inhalt irgendwie rauszuschlürfen oder rauszubekommen.“
Napoleons Kriegspläne sind – trotz des Preisausschreibens – vor allem daran gescheitert, dass seine Truppe die Versorgung der Soldaten mit Lebensmitteln nicht in den Griff bekam. Er musste sich 1811 aus Moskau zurückziehen, weil er im russischen Winter sein Heer nicht mehr ernähren konnte.

Mit freundlicher Überarbeitung von Matthias Theiner ( 29.7.2008 , AT )

Quellen:http://de.wikipedia.org/wiki/Blechdosehttp://www.blech-dose.de/historie/dose.htmlhttp://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de